Dania Achermann gives invited talk, Interdisziplinäres Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung (IZWT), Bergische Universität Wuppertal

Zwischen Klimakarten und Computersimulation: Zum Wandel der Klimaforschung im 20. Jahrhundert

04.11.2016 | Kristian Hvidtfelt Nielsen

Abstract

Computermodelle sind heute aus der Klimaforschung nicht mehr wegzudenken. Sie genießen in Wissenschaft und Politik große Autorität wenn es darum geht, Aussagen über das aktuelle und zukünftige Verhalten des Klimas zu machen. Seit ihrer Einführung Mitte des 20. Jahrhunderts haben diese Computermodelle die Art und Weise wie Klima verstanden und erforscht wurde, grundlegend verändert. Bis dahin war ein Klimaverständnis verbreitet, das unter anderem auf Alexander von Humboldt zurückging und traditionell in der Geographie verankert war: Klima als Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort auf der Erdoberfläche, der sich auch auf das Empfinden und die Gesundheit der Menschen auswirkt. Das Interesse galt beispielsweise dem Beschreiben verschiedener Klimazonen der Erde, regionalen Klimaphänomenen wie der Monsun oder der Heilkraft von „gutem“ Klima. Ab den 1930er Jahren und mit dem immer wichtiger werdenden Flugverkehr erweiterte sich jedoch der Fokus auch auf die höheren Schichten der Atmosphäre. Nach Kriegsende 1945 eröffnete die Einführung der Computertechnologie schließlich ganz neue Möglichkeiten. Sie erlaubte es, enorme Datenmengen zu verarbeiten und die komplizierten Gleichungen für eine numerische Wettervorhersage zu lösen. Daraus entwickelten sich die ersten Klimamodelle. Diese basierten folglich auf einer rein physikalischen Beschreibung der Atmosphäre. Das Interesse der Klimatologie verlagerte sich in der Folge vom regionalen und Mensch-bezogenen Schwerpunkt hin zu globalen und vorwiegend physikalisch-mathematischen Fragestellungen. Der Vortrag analysiert wie sich die Klimaforschung im 20. Jahrhundert veränderte und welche Rolle Klimamodelle dabei spielten. Im Fokus stehen dabei hauptsächlich die Entwicklungen in Deutschland.

Dania Achermann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Centre for Science Studies an der Aarhus University in Dänemark. Sie studierte Geschichte und Geographie an der Universität Zürich und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an der Universität Aarhus. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Wissenschafts- und Technikgeschichte, insbesondere der Geschichte der Klima- und Atmosphärenwissenschaften im 20. Jahrhundert. 

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